Josef Wiemeyer

Prof. Dr. rer. medic. Josef Wiemeyer

Die eigene Lehre erforschen – Lohnt sich der Aufwand?

Digitale Medien bieten nicht nur interessante neue Optionen für Lehr-Lernprozesse. Vielmehr werden durch digitale Medien häufig auch Daten generiert, die wertvolle Informationen über das Lernverhalten liefern können, welche ohne Einsatz dieser Medien nicht verfügbar wären. So kann z. B. erfasst werden, wann und wie lange welche Lehr-Lern-Materialien genutzt werden, welche Navigationspfade im Lernmaterial genutzt werden und welche Lehr-Lern-Materialien überhaupt genutzt werden.

Leider haben diese Daten auch eine Schattenseite: Es handelt sich in aller Regel um Verhaltensdaten, welche einen Schluss auf die Qualität der Lehr-Lernprozesse nur bedingt zulassen. So kann z. B. ein fünfminütiges Verweilen auf einer Kursseite bedeuten, dass man sich intensiv mit den Inhalten auseinandersetzt oder einfach durch eine andere Tätigkeit abgelenkt wurde. Ohne die Erfassung von irgendwie gearteten Zusatzdaten wie Lern- oder Transferleistungen lässt sich nicht entscheiden, ob die Lernaktivitäten effektiv bzw. effizient waren oder nicht.

Im Ausbildungsbereich des Autors wurden eine Reihe von Lehr-Lern-Medien bzw. Lernbedingungen im praktischen Einsatz empirisch erforscht, zum Beispiel:

  • Interaktive und aktivierende Lehr-Lernelemente (Roznawski & Wiemeyer, 2010)
  • Selbstgesteuertes Lernen (Wiemeyer & Schmitz, 2015)
  • Audience-Response-System (Wolf, 2012)
  • Pädagogische Agenten (Grupe, 2014)

In der Regel wurden (quasi-)experimentelle Felduntersuchungen eingesetzt, in denen sowohl Lernleistungen als auch Einstellungen erfasst wurden. Dabei zeigten sich einerseits die üblichen Beschränkungen dieser Art von Forschung (z. B. Bedingungskontrolle, fehlende Randomisierung, Selbstselektion), andererseits konnte die differenzielle Wirkung der oben erwähnten Medien bzw. Bedingungen offen gelegt werden. Dem erhöhten Aufwand an Personal, Material und Zeit steht ein Erkenntnisgewinn bzgl. der Effekte des eigenen Lehrens gegenüber, der zur weiteren Verbesserung genutzt werden kann.

Literatur

Grupe, J. (2014). Pädagogische Agenten im e-Learning. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Darmstadt: Institut für Sportwissenschaft.

Roznawski, N. & Wiemeyer, J. (2010). Testing different degrees of interactivity – An experimental study. International Journal of Computer Science in Sport, 6 (1), 61-75.

Wiemeyer, J. & Schmitz, B. (2015). Self-regulated multimedia learning in Sport Science – concepts and a field study. In P. Chung, A. Soltoggio, C. W. Dawson,  Q. Meng & M. Pain (eds), Proceedings of the 10th International  Symposium on Computer Science in Sports (ISCSS). (Springer Series: Advances in Intelligent Systems and Computing) (pp.235-242). Berlin: Springer.

Wolf, J. (2012). Interaktive Anwendungen beim E-Learning – Dargestellt am Beispiel der Vorlesung „Trainingswissenschaft“. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Darmstadt: Institut für Sportwissenschaft.

Kurzprofil

wiemeyer_klein

Prof. Dr. Josef Wiemeyer ist Professor für Sportwissenschaft am Institut für Sportwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt. Hauptarbeitsbereiche sind Bewegung, Training und ausgewählte Anwendungsgebiete der Sportinformatik, insbesondere technologiebasierte Lern- und Trainingsprozesse, z.B. „Serious Games“.